„Energie besser nutzen“

Energiewende und steigende Energiepreise verunsichern die Verbraucher. Tyczka Totalgaz- Geschäftsführer Markus Eder erklärt die Zusammenhänge.

Die Energiewende in Deutschland ist ein weltweit einzigartiges Vorhaben. Was bedeutet die Energiewende für Flüssiggaskunden?
Die Energiewende betrifft ja alle Energieverbraucher, nicht nur Flüssiggaskunden. Und da gilt: Wir müssen uns wieder mehr mit dem Thema Energie beschäftigen! In den Jahren mit niedrigen Energiekosten war es selbstverständlich, dass Strom billig aus der Steckdose kommt. Nun steht jeden Tag groß „Energiewende“ mit vielen offenen Fragen in den Medien. Und plötzlich überlegen wir, ob morgen noch zuverlässig Strom und Warmwasser fließen werden. Deshalb sind umfassende Informationen für alle Verbraucher wichtig, damit das Projekt Energiewende gelingen kann.

Manche Menschen befürchten, dass wegen der Energiewende Strom und Wärme knapp werden. Trifft das zu?
Nein, Energie wird auch in Zukunft ausreichend zur Verfügung stehen. Die Versorgung mit Flüssiggas ist durch unsere verschiedenen Bezugsquellen gesichert. Es kann jedoch sein, dass wir in manchen Bereichen auf andere Energieträger umsteigen müssen. Heizungen arbeiten nicht nur mit Brennstoffen wie Erdöl oder Erdgas, ebenso müssen Autos nicht unbedingt mit Benzin fahren.

Die Energiewende will die Hinwendung zu Erneuerbaren Energien, aber ohne fossile Energien wird es nicht gehen. Manche meinen, wir brauchen doch noch Kernenergie. Die Energiepolitik erscheint den Bürgern derzeit reichlich orientierungslos. In welche Richtung entwickelt sich die Energiewende?
Die Energiewende ist kein neues Thema. Die Europäische Union setzte schon vor Jahren Klimaschutzziele bis 2020 fest: 20 Prozent weniger Kohlendioxidemissionen, 20 Prozent Erneuerbare Energien, 20 Prozent mehr Energieeffizienz im Vergleich zu 1990. Die Bundesregierung beschloss eigene Klimaziele. Die Kernenergie war dabei ein wesentlicher Bestandteil, mit dem Argument, Atomkraft setze kein CO2 frei. Die Katastrophe von Fukushima änderte den Energiemix. Jetzt müssen wir die Kernenergie bis zum Jahr 2022 durch andere Energieträger ersetzen. Aus einem Ziel sind zwei geworden: raus aus den fossilen Energien und weg von der Atomkraft. Aber die Richtung ist klar, da gibt es weder vonseiten der Wirtschaft noch der Politik Zweifel.

Gestritten wird jetzt vor allem über die konkrete Umsetzung?
Nebulös erscheint den Bürgern die Suche nach dem richtigen Rezept, wie die Energiewende stattfinden soll. Momentan ist es ein unharmonischer Chor verschiedener Akteure aus dem Lager der Erneuerbaren Energien, der fossilen Energieversorger, aus Politik, Industrie und von Lobbyorganisationen. Eines ist klar: Die heutigen Rahmenbedingungen mit EEG-Umlage und Netzentgelten sind nicht die Instrumente, die zu einer vernünftigen Energiewende führen werden.

Welche Rahmenbedingungen sind dann notwendig?
Wir brauchen Regelungen, die alle Möglichkeiten der Energieversorgung abdecken. Es darf nicht sein, dass Betreiber hochmoderner Stand-by-Kraftwerke dafür bestraft werden, dass sie mit fossilen Brennstoffen Energie für den Zeitpunkt bereitstellen, wenn der Wind Flaute hat und der Himmel voller Wolken hängt. Ebenso brauchen wir viel mehr Speicher für überschüssige Wind- und Sonnenkraft. Das alles deckt das derzeitige Erneuerbare-Energien-Gesetz nicht ab.

Welche Rolle wird Flüssiggas bei der Energiewende spielen?
Eines lässt sich erkennen: In der gesamten Energiewende und besonders wegen des schnellen Ausstiegs aus der Atomkraft brauchen wir einen wesentlichen Anteil an fossilen Energien. Zum Beispiel, wenn Spitzenlasten im Stromnetz abgedeckt werden müssen oder als Ersatz für schwächelnde Erneuerbare Energien. Das sollten fossile Energien mit wenig CO2-Emissionen übernehmen. Und da bietet sich Flüssiggas an, das sehr CO2-arm verbrennt. Zum anderen lässt sich Flüssiggas als mobile Energie überall dort einsetzen, wo Lücken in den Versorgungsnetzen sind.

Wie beteiligt sich Tyczka Totalgaz an der Energiewende, was bedeutet das für das Unternehmen?
Ein wichtiger Baustein der Energiewende ist die Energieeffizienz. Wir haben in Deutschland nach wie vor ein Wirtschaftswachstum, und das bedeutet immer auch mehr Energieverbrauch. Und das ist kostensparend nur mit mehr Energieeffizienz zu schaffen. Das nehmen wir uns zum Ziel: Alle unsere Außendienstmitarbeiter und Vertriebsingenieure sind mittlerweile als Netz- und Energieberater ausgebildet. Sie überblicken bei unseren Kunden die Gesamtsituation des Energieverbrauchs und können Lösungen, vorschlagen, welche die Energiekosten erheblich reduzieren. Wir informieren über Energiesparmöglichkeiten in unserem Newsletter, übers Internet oder im persönlichen Gespräch. Außerdem besitzen wir bereits jetzt technische Lösungen, wie etwa die Kraft- Wärme-Kopplung, die hocheffizient arbeitet und weniger CO2 freisetzt. Dazu zählt auch moderne Gasbrennwerttechnik mit Solarthermie. Wir kennen Autogas als preiswerten, bewährten und klimaschonenden Treibstoff. Oder unser MOTOGAS für Gabelstapler und Flurförderzeuge: Tausende davon in Deutschland fahren mit Flüssiggas anstatt Diesel. Durch den Kauf unseres CO2-neutralen Flüssiggases TYTOBLUE haben die Kunden die Möglichkeit, ihre CO2-Bilanz über zertifizierte Klimaschutzprojekte auf null zu stellen.

Welchen Einfluss hat die Energiewende auf die Energiepreise?
Die Energiewende ist nicht alleine schuld an steigenden Energiepreisen, das Preisargument dient oft nur als vorgeschobener Grund. Keiner spricht von den Kosten der Atommüllendlagerung, die in den heutigen Energiepreisen nicht eingerechnet sind und für die stillschweigend die Steuerzahler aufkommen. Die EEG-Abgabe ist nicht der einzige Grund für die Preissteigerungen: Primärenergie wird schlicht und ergreifend immer teurer! Auch der Netzausbau kostet Geld. Wobei verschwiegen wird, dass in die Netzsanierung in den nächsten Jahren ohnehin erhebliche Investitionen fließen müssen.

Welche weltweiten Faktoren beeinflussen die Energiepreise?
Der Energiehunger der Welt bringt nicht die Energiequellen an ihre Grenzen, sondern die Produktionskapazitäten. Neue Anlagen müssen gebaut werden, das ist teuer, braucht Zeit und treibt den Energiepreis. Auch hier gibt es einen Zusammenhang: Je weiter der Energiepreis steigt, desto mehr förderbare Quellen gibt es. Heute werden Energiequellen angezapft, die vor wenigen Jahren als unrentabel galten. Deshalb spricht man nicht mehr vom Peak Oil, also dem Zeitpunkt des globalen Ölfördermaximums, sondern von einer weltweiten Produktionsgrenze. An der gibt es zwar genügend Energie, die aber nicht verarbeitet werden kann.

Wie weit klettern die Energiepreise noch?
Nach unserer Erfahrung stiegen die Energiepreise in der Vergangenheit jährlich um etwas
mehr als zehn Prozent. Mit Preissteigerungen in dieser Höhe werden wir auch in Zukunft zu rechnen haben, anderes zu sagen, wäre Schönfärberei. Der Preis wird auch deshalb nicht niedriger, weil die weltweite Energienachfrage immer an die Förder- und Produktionsgrenze stößt.

Was können Sie Energieverbrauchern raten?
Sie sollten sich bei Energiefragen ganzheitlich beraten lassen. Welche Energiesparmaßnahmen sind sinnvoll für mein Unternehmen oder können sogar wertvolle Potenziale heben? Welche Anforderungen werden an die Industrie gestellt? Mittelfristig müssen wir das Thema Energiereduzierung in den Vordergrund stellen. Denn Energie, die ich nicht verbrauche, muss ich auch nicht bezahlen.
 

Zur Person: engagiert für Energie
Markus Eder wurde 1965 in Bühl (Baden) geboren. Nach seinem Maschinenbaustudium trat er 1992 als Projektingenieur Energietechnische Anlagen in das Unternehmen Kraftanlagen Anlagentechnik München ein. 1996 wechselte er zu Aral Flüssiggas, wo er als Technischer Leiter und Leiter Anlagentechnik tätig war. Seit 2001 arbeitet Eder für Tyczka Totalgaz, zuerst als Produktmanager Netzgasversorgung. Drei Jahre später übernahm er als Prokurist die Verantwortung für die Bereiche Vertrieb, Kommunale Gasversorgung und Contracting, 2010 die Bereichsleitung für Vertrieb und Marketing. Seit Februar 2010 ist Markus Eder Geschäftsführer für die Unternehmensbereiche Vertrieb, Marketing und Werbung sowie Recht und Personal. Markus Eder ist Vorstandsmitglied im Deutschen Verband Flüssiggas e.V. und Obmann im dortigen Fachausschuss Kommunikation.


 

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